Dienstag, 6. August 2013

Scenesters' Review: BLACK BOX RADIO "Underneath the Subsurface"


Der Ausdruck „Melting Pot“ beschreibt seit über 100 Jahren den Vorgang des Vermischens unterschiedlicher Kulturkreise. Wird dieser Begriff nun im Zusammenhang mit Österreich verwendet, so ist die Bundeshauptstadt Wien als typischer Schmelztiegel zu erkennen – als ein Zentrum in dem Kulturen und Menschen aus aller Herren (Bundes-) Länder zusammen finden. So auch BLACK BOX RADIO, die vor kurzem ihr Debütalbum „Underneath the Subsurface“ veröffentlicht haben.

Was ist es aber nun, das die Verbindung zwischen „Melting Pot“ und Black Box Radio herstellt? Zum einen die Mitglieder der 2010 von Sänger und Gitarrist Johann Josef Grafenauer ins Leben gerufenen Band. Ihr Schaffenszentrum befindet sich zwar mittlerweile in Wien, doch eigentlich stammen die fünf Musiker allesamt aus Kärnten oder Oberösterreich. Für noch mehr Kulturvermischung sorgt Schlagzeuger Raphael Rameis, der beispielsweise gar einer anderen Band (den Amadeus-Award-Gewinnern CATASTROPHE & CURE) entstammt.

Auch optisch beweisen sich Black Box Radio an der Kunst des Vermischens. So mixt das Musikvideo zu „Futurama Cyber Love Disaster“, der ersten Single des Albums, alte schwarz-weiß Aufnahmen mit einer Live-Performance der Band. Generell ist diese Single ein guter Ausgangspunkt um zum letzten Teil der Beantwortung der eingangs gestellten Frage zu kommen: der Musik. Das Lied ist nicht nur der Opener von „Underneath the Subsurface“ sondern gleichzeitig auch ein guter Querschnitt durch das gesamte Album, welcher sich durch einfallsreiche Instrumentalisierung (insbesondere dem tragenden Bass), gutem Stimmumfang Grafenauers und einer eingängigen Melodie auszeichnet.




Diese Elemente ziehen sich auch wie ein roter Faden durch die anderen zehn Lieder, die sich – um wieder beim „Melting Pot“ zu landen – irgendwo in der Schnittmenge der frühen Strokes, den Stadium-Arcadium Red Hot Chili Peppers und, will man es heimischer haben, den NINTENDOS bewegen. Doch Black Box Radio sind mehr als die Summe ihrer Vergleiche, so sind teilweise gute Ideen erkenn- und hörbar. Beispielsweise finden sich diese bei „World on a String“, dem hitverdächtigsten Lied des Albums, welches vor allem durch seine Gesangslinie und das treibende Schlagzeug überzeugt. Oder bei dem mit Akustikgitarre und Glockenspiel aufwartenden „Whip It“. Allerdings würde man sich hin und wieder ein wenig mehr solcher musikalischen Abwechslungen auf „Underneath the Subsurface“ wünschen. Die Ansätze dazu, unter anderem in Form von atmosphärischen Elementen (wie beispielsweise Gitarren und Schlagzeug bei „Pagan“) oder mehren Stimmen („Master & Commander“), sind nämlich definitiv zu erkennen.

Doch vielleicht ist es genau das, was dazu führt, dass Black Box Radio funktionieren: das Vermischen von vielen Ideen zu einem Ganzen, ohne dabei verloren zu klingen. „Underneath the Subsurface“ ist das erste Ergebnis dieses Prozesses. Und ein gutes noch dazu.


Bonetti's Skala zum Glück: 7,0 / 10


„Underneath The Subsurface“ ist auf dem bandeigenen Label „Wood. Before The Cottage“ erschienen. Tourdates unter: www.black-box-radio.com

(c) B.L. Bonetti

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