Freitag, 14. Juni 2013

Scenesters' Review: POLKOV "Live at the Recorder"

Um den Kosmos der Grazer Band POLKOV zu beschreiben werden gerne Wörter wie Pop, Kollektiv oder Melancholie verwendet. Doch es steckt mehr dahinter als diese Begriffe in der Lage sind zu zeigen, wie die Debüt-Seven-Inch „Live at the Recorder“ an den Tag legt. „Yesterday was terrible, yesterday is gone.“ heißt es dort. Und die Zukunft sieht vielversprechend aus.

Das oben stehende Zitat stammt aus „Pictures“, welches zusammen mit dem Lied „Reverie“ die beiden Seiten von Polkov's Erstlingswerk bildet und vorab mittels einem, durch schicke schwarz-weiß-Ästhetik überzeugenden Musikvideo der Welt vorgestellt wurde. Dieses Video bietet wiederum einen Vorgeschmack auf eine 30-minütige Dokumentation, die während des Aufnahmeprozesses der EP entstanden ist.




Doch zurück zum eigentlichen Steckenpferd der Band, nämlich der Musik. Dass Polkov in der Lage sind gute, stimmige Lieder zwischen Pop, Country und in den früheren Tagen auch Punk zu schreiben ist schon länger bekannt. Vor allem in und um Graz, der kreativen Heimat der Formation, die 2010 von Singer-Songwriter Laurenz Jandl gegründet wurde. Unterstützt wird dieser dabei von einer durchaus variablen Anzahl an Mit- und Gastmusikern. Doch trotz dieser Fluktuation ist es Polkov stets gelungen den kreativen Prozess und somit sich selbst am Leben zu erhalten. Eine Tatsache, die nun in der Seven-Inch „Live at the Recorder“ ihre erste Formvollendung findet.

Das Stichwort „live“ ist dabei ernst zu nehmen, so wurden die zwei, in einem Studio nahe Graz (dem „Recorder“) aufgenommenen Lieder ohne zusätzliche Instrumental- oder Vokal-Overdubs eingespielt. Diese Tatsache verleiht der EP nicht nur einen gewissen Charme sondern zeigt auch die große Stärke von Polkov, das Live-Spielen. Der Slogan „what you see is what you get“ kann demnach groß geschrieben werden. Was man geboten bekommt, kann sich also durchaus sehen und vor allem hören lassen. Die beiden Lieder selbst decken ein Spektrum zwischen beschwingter und melancholischer Pop-Musik ab. Sie überzeugen neben der gelungenen Instrumentalisierung (welche unter anderem durch den Einsatz von Ukulele, Klavier und, im Falle von „Pictures“, treibendem Schlagzeug erfolgt) auch durch gutes Songwriting, sowohl bezogen auf eingängige Melodien wie auch persönliche Texte. Da fallen Kleinigkeiten wie Temposchwankungen auf keinen Fall ins Gewicht, denn das große Ganze macht diese wett und definitiv Lust auf mehr.

Im Grunde genommen kann also gesagt werden, dass Polkov mit „Live at the Recorder“ viel richtig gemacht und sich selbst eine solide Ausgangsbasis für die bandeigene Zukunft geschaffen haben. „Yesterday was terrible“ sollte also in weite Ferne rücken.


Bonetti's Skala zum Glück: 7,1 / 10


Live at the Recorder“ erscheint am 21. Juni via ZITA-Records. Im Rahmen der Veröffentlichung findet am selben Tag eine Releaseparty in der Postgarage Graz statt (Abendkassapreis: acht Euro). Neben Polkov werden dort auch Viech und Aiko Aiko auf der Bühne stehen. Also: Kalender raus und Datum markieren!

(c) B.L. Bonetti

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